Heute gingen die Proteste gegen die Krisenpolitik in Griechenland anlässlich des Besuchs der deutschen Bundeskanzlerin in die zweite Runde. Ab 12 Uhr waren zehntausende dem Aufruf der beiden Gewerkschaftsdachverbände des öffentlichen (ADEDY) und privaten (GSEE) Sektors gefolgt und hatten sich auf dem Syntagmaplatz versammelt. Auch auf dem Omonia Platz sammelten sich zehntausend Anhänger der Kommunistischen Partei.

AktivistInnen werteten dies als großen Erfolg. “Wir sind sehr zufrieden, dass trotz des angekündigten Verbots und der Festnahmen im Vorfeld so viele gekommen sind!” erklärte Yannis von der Syriza-Jugend. Wie gestern angekündigt nahm sich die Polizei das Recht heraus, “vorbeugende Festnahmen” durchzuführen. Nach unterschiedlichen Angaben wurden bis zu 200 AktivistInnen auf dem Weg zum Syntagma-Platz festgenommen.

“Man merkt die Zuspitzung der sozialen Krise auch an der vermehrten Repression”, erklärt mir ein Aktivist der KOE (Kommunistische Organisation Griechenlands). Vorbeugende Festnahmen und das Durchsuchen von AktivistInnen, die zur Kundgebung gehen wollten, hatte es bisher noch nicht gegeben.

Trotz dieses Abschreckungsszenarios waren erstaunlich viele gekommen und auf dem Syntagma-Platz herrschte eine ausgelassene Stimmung. Eine Reihe AktivistInnen verglichen die Situation mit den Syntagma-Platzbesetzungen im vergangenen Jahr.

Viele Gruppierungen, die heute gekommen waren, hatten sich in den Tagen der Platzbesetzungen gegründet, wie etwa der Syntagma-Motorradclub, der mit Jubel auf dem Platz begrüsst wurde,  oder die Demo-Sanis, die von AktivistInnen vor Schikanierungen der Polizei geschützt werden mussten.

Nach einigen Stunden wurde die Kundgebung dann aufgelöst – indem die Polizei massenweise Tränengas in die Menge schoss. “Die Demos hier enden immer gleich” erklärt mir Thanos von Attac Hellas. “Viele Leute wollen wegen dem Tränengas nicht mehr kommen.” Ein anderer Aktivist erzählt von Bekannten, der nicht gekommen sei. “Warum sollte ich mich wegen Merkel dem Tränengas aussetzen?” Ungeachtet alldessen vollführte die Bundeskanzlerin ihre Stippvisite und traf sich mit Samaras in der Sperrzone.

Alexis Tspiras kritisierte in seiner Rede bei der Eröffnung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Athen die Zusagen Samaras zu weiteren “Reformbemühungen”. “Die Zusagen zu Kürzungen sind schon jetzt so weitreichend – was wollen sie denn noch vom Gesundheitssystem oder den Renten wegkürzen?” Er richtete einen Apell an die Linken in Deutschland und Europa, gemeinsam gegen die Kapitalfraktionen in Europa zu kämpfen.

In Deutschland können wir damit nicht gerade dienen. Da die neoliberale Umstrukturierung und die Angriffe gegen breite Teile der Bevölkerung aber europaweit passieren, und passieren werden, müsste auch unser Widerstand europaweit stattfinden. Eine bessere Vernetzung mit den sozialen Bewegungen in den verschiedenen Ländern, wie es momentan stattfindet, ist zumindest ein Anfang.