Zurück nach Nairobi starten wir am Sonntag nachmittag, den 25.September in der Western Province. Ein paar Stunden Tageslicht bleiben noch, so dass wir ein Stück Landesgeschichte genießen können, interessant kommentiert von Hassan, der auch wieder zurück nach Nairobi will.

Zunächst fahren wir mit einem Matatu, das uns bis Kisumu bringt. Dort in einen großen Bus umzusteigen, kostet uns nur halb so viel wie das Ticket des edlen Nachtreisebusses. Dafür müssen wir geduldig sein. Vor dem Start bevölkern eine halbe Stunde lang lauter Kleinzeugsverkäufer das Fahrzeug, die uns zigmal Limonaden und Kekse, später auch Chapati, Kartoffelchips und CDs anbieten. Um 16 Uhr geht es los. Rund um Kisumu liegt das Land der Luo. „Intelligent, aber schlechte Bauern“, fasst Hassan zusammen. Hier ist die Erde sichtbar anders als in der Luyha-Region um Hassans Dorf. Die Grundstücke sind größer, der Bewuchs dürftiger. Immer wieder ist über längere Strecken kaum eine Nutzung wahrzunehmen, obwohl das ein oder andere Haus in die Landschaft gestreut zu entdecken ist. Laut unserem Reisebegleiter sind die Besitzer dieses Landes in die Städte gegangen. Die klugen Luo arbeiten oft in Universitäten und Ämtern – wer von ihnen das Land verlässt, kehrt selten zurück.

Wir sehen große Reisfelder entlang der Straßen. Hassan erklärt, dass das vor allem staatliche Betriebe sind, auf denen Menschen im Auftrag der Regierung und mit einigermaßen abgesichterten Arbeitsverhältnissen den Reisanbau betreiben.

Kurz bevor es dunkel wird, fährt der Bus durch Kericho, die „Hauptstadt“ der Kalenjin. Wichtigstes Agrarprodukt ist hier der Tee für den kenianischen Bedarf und für den Export. Die kleine Stadt ist ein reicher Ort mit vielen schicken Häusern, dicken Autos, gepflegte Straßen. Der Teeanbau für den internationalen Markt ist zu einem großen Teil in der Hand multinationaler Konzerne. Die Kolonialherren aus Großbritannien hatten hier Landnutzungsrechte für 999 Jahre. Mit der neuen Verfassung wurden diese beschnitten – auf immer noch 99 Jahre, eine sehr lange Zeit, wenn man sieht, in wie kurzen Jahren in Kenia Wasser und Land so extrem knapp geworden ist.

Teeplantagen mit Regenbogen

Lange fährt unser Bus Serpentinen durch die Teeplantagen. Es wird dunkel, so dass der Blick aus dem Fenster nichts mehr bringt und wir den Rest der Reise für andere Themen nutzen, nach unserem Kirchenbesuch unter anderem mal wieder die Frage nach den kenianischen Religionen. Hassan erzählt freimütig vom „Durcheinander“ der Religionen in seiner Familie. Einige sind engagierte ChristInnen, andere Muslime, Hassan selbst bezeichnet sich als Traditionalisten. Er ist sich aber ziemlich sicher, dass wegen der Religionsfragen in Kenia keine gewaltsamen Konflikte entstehen werden.