Kenias LehrerInnen haben den Prozess in Den Haag gegen die Verantwortlichen für die Gewaltausbrüche 2008 von den Titelseiten der Tageszeitungen verdrängt. Eine Woche Streik hat dazu geführt, dass die Regierung einlenkte und versprach, die 18.000 derzeit nur auf Zeit verpflichtete Lehrer fest einzustellen und zum nächsten Jahr zusätzlich 5.000 neue Lehrerstellen zu schaffen.

Die Wut der Lehrer war groß – und ihr Druckmittel auch: Am 18. Oktober sind landesweit die großen Prüfungen für den Übergang in die Sekundarstufe (Kenya Certificate of Secondary Education examination). Da verschlechtert jeder entfallene Schultag die Chancen von Tausenden von SchülerInnen. Die schlechte Bezahlung und die ungesicherten Anstellungen sind für die KenianerInnen besonders ärgerlich, weil die Verantwortlichen, die so gerne auf die leeren öffentlichen Kassen verweisen, selbst steuerbefreite Einkommen dramatisch über dem Durchschnitt einstreichen.

Wir hatten am Samstag Mittag Besuch neuer FreundInnen zum Essen. Wir konnten in der Gästeküche der Schule kochen, was wir zuvor beim Markt in Rongai erstanden hatten. Die Lehrer waren natürlich auch Thema – und die Schwäche anderer Gruppen, deren Aufstand längst überfällig ist.

Seit etlichen Jahren steigen die Wohnungspreise unreguliert und dramatisch. Immer mehr Menschen verlieren ihr Dach über dem Kopf und suchen Zuflucht in einem der ständig wachsenden Slums.

Auch die Ortschaft Ongata Rongai, an deren Rand unsere Unterkunft liegt, droht zu verslumen. 1999 hatte Rongai noch 35.000 EinwohnerInnen. Heute gibt es nur Schätzungen, die sich auf 66.000 bis 147.000 belaufen. An allen Straßenrändern wachsen die Müllberge. Und auf den Mauern um die Mittelstandshäuser die Glasscherbenfallen und Stacheldrähte. Kein schöner Anblick…

 

Rongai: Bitterer Beleg zunehmender Ungleichheit: Auch um unspektakuläre Häuser ziehen die Eigentümer die Mauern hoch und spicken sie mit Glasscherben...

Die Regierung unternimmt nichts. Nichts? Doch, ein bisschen was:  Nairobi hat zum Beispiel acht Menschen für „community development“ eingestellt. Zuständig für verschiedene Distrikte mit bis zu einer Million EinwohnerInnen, sollen sie die Menschen insbesondere in den Slums ermuntern, die Gestaltung ihrer Umgebung in die eigenen Hände zu nehmen. Trotz des großen Einsatzes der EntwicklerInnen ist das nicht nur eine Überforderung. Bei den Rahmenbedingungen können überhaupt keine stabilen Nachbarschaften entstehen. Zumal die Grenzen der kleinen Entwicklungsprojekte werden immer deutlicher werden: Weil immer mehr Gruppen Perlen aus Abfallstoffen zu Halsketten fädeln oder Körbe aus recycelten Plastiktüten flechten, wird es schwerer, die noch an Mann und Frau zu bringen. Auch die von Selbsthilfegruppen oder kleinen Geschäftemachern betriebene Bewirtschaftung von Klos im Slum führt bei weitem nicht immer zu einer Zunahme guter sanitärer Anlagen.

 

Hütten dicht an dicht: In den Slums wird es immer enger.

„KNUT“ feiert heute in Kenia. Und ist kein Eisbär, sondern die Lehrergewerkschaft (Kenya National Union of Teachers). Wenn das Beispiel ihrer Mitglieder Schule machte, dann wären sie – gerade mit dem Aussetzen ihrer Tätigkeit – ganz besondere LehrerInnen für Kenya.