James Tobin wollte „Sand im Getriebe“ der Finanzmärkte. Das haben wir nun davon.

 

Nur ein Plagiat?

„America’s next topmodel“ ist nur eine der US-Fernsehshows, deren Konzept für den hiesigen TV-Konsum übersetzt wurde. In den letzten Tagen aber schienen die nordamerikanischen Demokraten und Republikaner in Europa geklaut zu haben. Die große Show, die in den siebzigern die Familien vor der Mattscheibe vereinte: „Spiele ohne Grenzen“. In diesem Fall Milliardengrenzen. Beziehungsweise Billiarden.

Action und absurde Szenen boten die US-Verantwotlichen in großer Zahl bei global gigantischen Einschaltquoten. Unglaublich, was die Amis sich unter einem so dröge anmutenden Thema wie Schuldenobergrenze ausgedacht haben. Die Spaß- und Aktionssportarten gehörten wie beim Original aus Deutschland nicht zu Olympia, aber sie fesseln die Zuschauer ungemein: Haushaltshürdenlauf, Hau-den-Barak, Steuerdrücken, Pensionenpulverisieren, Spar-Sparring, Rezessions-Rallye, Planetenpoker, um nur einige zu nennen.

 

Neue politische Strategien

„Liebe geht durch den Magen“ ist ein Oma-Spruch, völlig out. Die neue Formel heißt: „Weltverbesserung geht durch das Auto!“ Weil die Deutschen ihr liebstes Kind nicht mit Unbekanntem füttern wollen und schreckliche Angst vor Bauchgrimmen des hochglanzpolierten Familienmitgliedes haben, boykottieren sie seit Jahresbeginn den Sprit mit zehn Prozent „Bio-Ethanol“-Beimischung an den Tankstellen. Das Angebot reagiert auf die Nicht-Nachfrage, die ersten Tankstellen schreiben auf alle Werbeflächen: „Nur Super 95“. Die Leute tanken und tanken – und retten nebenbei Schäubles Haushalt (bis zu 500 Millionen Euro durch die Strafzahlungen der Konzerne, die diese natürlich an die KundInnen weitergeben) und Menschenleben (möglicherweise Millionen. Denn der Run auf Energiepflanzen treibt die Nahrungsmittelpreise in die Höhe und entfacht eine tödliche Konkurrenz um Land und Süßwasser.)

Lassen sich daraus nicht Strategien für Weltverbesserer ableiten?

Wäre der geplante Panzerverkauf der Regierung zu stoppen, wenn bekannt würde, dass die Dinger den Straßenbelag im Urlaubsland Saudi Arabien zerstören?

Oder Josef Ackermanns Personal-Rochade, die ihn aktiengesetzeswidrig vom Vorstandschef zum obersten Aufsichtsrat machen soll – weil bei solcher Unverfrorenheit der Kühlkreislauf des TöffTöff kollabiert?

 

 

Was haben Attac und die CDU gemeinsam?

Was soll denn das bitte? Attac und die CDU? Quatsch!?

Dann gucken Sie mal, was passiert, wenn Heiner Geißler in Aktion tritt! Schweißausbrüche allerorten! Die Mitgliedschaft im globalisierungskritischen Netzwerk machte den ehemaligen CDU-Generalsekretär zum geeigneten Mann für einen heiklen Job. Bei Geißlers medienwirksamem Start in die Schlichtung im Konflikt um die Stuttgarter Bahnhofszukunft wurde den wackeren Globalisierungskritikern schon tüchtig warm. Reinreden lässt der Mann sich nicht. Die Nachricht trieb die Internet-Klicks auf der Attac-Seite hoch – und die Übertragung bei Phönix bescherte dem Netzwerk neue Mitglieder. Ungemütlich wurde es, als der Schlichterspruch sich (erwartungsgemäß) den bereits geschaffenen Tatsachen beugte und (ebenfalls erwartungsgemäß) den Sympathiewerten für die Baden-Württemberg-CDU gut tat: es hagelte wütende E-Mails bei Attac, gab es sogar Austritte der am meisten Verärgerten.

Jetzt ist Geißlers Partei dran, mit Schweißperlen zu kämpfen. Angesichts seines Kompromissvorschlages zum Bahnhofsknatsch schimpft die CDU: „Das Verfahren hat mehr Verwirrung gebracht als Ruhe geschaffen.“ Eine Runde Mitleid für die CDU. Und eine für Attac.