„Sand im Getriebe“ – erhoffte sich James Tobin von einer kleinen Steuer auf Finanztransaktionen. „Sand im Getriebe“ – heißt der regelmäßige internationale Attac-Rundbrief. Und wer ein bisschen genauer hinschaut, kann davon auch was ins Auge kriegen…

Breaking News

Die Technik, die nach der Schließung der „News of the world“ in London nicht mehr benötigt wird, wird jetzt – im Rahmen der innereuropäischen Entwicklungszusammenarbeit – in der hiesigen Medienlandschaft eingesetzt. So konnten folgende Telefonate mitgeschnitten werden und warten noch auf eine Veröffentlichung in einer deutschen Tageszeitung:

 

Mitschnitt I, Freitag vormittag, 22. Juli

Angela Merkel: Haben wir die Griechenlandrettung nicht fein hinbekomen? Danke übrigens für Dein „Ja“ zur Beteiligung der Banken.

Josef Ackermann: S‘ tönt guet. Wir haben über Jahre so hohe Risikozinsen kassiert, da war das schon drin. Ich werde jetzt öfter in Athen sein. Mit Spiros Latsis, dem reichsten Griechen, dem Cheib, wollte ich noch einige Anlagestrategien diskutieren. Er hat seine Bank gerade von der Schweiz nach Luxemburg umgezogen und freut sich, dass die OECD die Steueroasen in Ruhe lässt und dass jetzt auch die 12 Milliarden Euro, die er in griechische Staatsanleihen gesteckt hat, weitgehend in trockenen Tüchern sind.

Merkel: Ich bin gespannt auf die Investorenkonferenz. Wenn Ihr die Akropolis kauft, müssen wir über Product-Placement reden. Ich denke zum Beispiel an CDU-orange bei den neuen Eintrittskarten?

Ackermann: Da sehe ich Chancen. Wir werden den Griechen zeigen, was wir aus ihren Unternehmen rausholen. Urlaub in Hellas, griechischer Wein und griechische Tragödie – niemand kann das so gut wie deutsche Investoren. „Made in Germany“ war gestern, heute geht es um den Geldfluss nach Germany. Hauptsache, Deine Ablenkungsstrategie funktioniert. Das mit dem Appell zur Geduld mit Griechenland, war schon sehr gut…

 

Mitschnitt II, Samstag mittag, 23. Juli

Kristina Schröder, Chefin des Familienministeriums und Extremismusexpertin der CDU: Ich habe die Lösung!

Josef Hecken, Staatssekretär im Schröder-Ministerium: Wofür?

Schröder: Wie es gelingt, künftig solchen Terror wie den in Norwegen zu unterbinden!

Hecken: Denkst Du auch dafür an eine freiwillige Selbsterklärung, so wie die für die DAX-Konzerne zur Frauenquote oder das Konzept der freiwilligen Sozialdienste?

Schröder: Ja, fast. Genauso, wie ich es in Deutschland schon handhabe. Bei allen Förderprojekten, die gegen faschistische und nationalistische Umtriebe arbeiten.

Hecken: Aber…

Schröder: Die müssen eine Erklärung abgeben zu meiner Extremismusklausel. Darin versichern sie, dass sie auf dem Boden der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung stehen und ihre Partner auch. Wir bieten auch die Unterstützung des Verfassungsschutzes an. Das ist sehr erfolgreich, und spart auch noch Geld, weil einige Projekte auf Unterschrift und Förderung verzichten.

Hecken: Moment. Weniger Projekte gegen Rechts helfen gegen Terror wie in Norwegen?

Schröder: Nein, das muss natürlich konsequent fortgeschrieben werden. Wir brauchen Projekte gegen links, gegen Marxisten und Gotteslästerer. Und deren Unterschrift, dass sie nicht extremistisch vorgehen. Wir bieten ihnen auch Verfassungsschutz-Unterstützung an, damit die ihre Bündnispartner klar machen…

Hecken: … da haben die Schlapphüte ja echte Insider-Informationen …

Schröder: Sag ich doch! Und dann… [Aufzeichnung abgebrochen]

 

 

Das kleine Attac

Frankfurt. Münchner Str. 48, fast schon Ende Juli. Im Attac-Büro ist es ruhiger als sonst, Urlaubszeit. Heiß ist es hier im sechsten Stock. Stillleben im Aktionsbüro gleich gegenüber der Eingangstür: Über dem Schreibtisch des Aktionsunterstützers hängt eine aufblasbare Streitaxt (die noch nie zum Einsatz kam, sich aber nach Überzeugung des Verantwortlichen für fast alles eignet). Aus einer offenen Pappkiste daneben lachen gleich zwei Merkel-Masken und drücken die Gumminasen von Sarkozy und Obama platt. Ackermann ist nur zweidimensional mit von der Partie. Die Transparente der letzten Wochen liegen auf der anderen Seite gestapelt, einige bereits fürs Kellerarchiv in Plastik verpackt und beschriftet.

Das Aktions-Regal ist voll mit eigenartigem Zeugs. Riesenluftballons, planetenblau, und mittelgroße in gold. Ebenfalls aufblasbar sind die Piratenschwerter, die schon in Berlin anlässlich der „Super-Return“-Konferenz der Private Equity Branche geschwungen wurden. Selbstgenähte Geldsäcke mit schwarzem Eurozeichen darauf. Ein quietschgrüner Krötenballon mit Sand gefüllt. Reinblasbar – aber bitte nur nach sachgerechter Einführung der nebenan liegenden Ohrstöpsel – ist das letzte Exemplar der lautesten Trillerpfeifen der Welt (die anderen verblieben bei diversen Sicherheitsdiensten). An der Wand stehen Warnschilder „Krötenwanderung!“ und der europäische Rohstoffräuber der WTO-AG. Goldlackbesprüht ragt die Gipshand, für die ein Praktikant Modell stand, von ihrem schwarzen Sockel in die Luft – die Finger zum Victory-Zeichen gebogen und gestreckt. Daneben lehnt die Urkunde an der Wand für die alternative Preisverleihung an Josef Ackermann, der vor einigen Monaten die Trophäe nicht annehmen wollte: „W.A.N.K.E.R. of the year“ (Abkürzung für „Wiederholt aufgefallener, neoliberaler, krisenverschärfender Einflussnehmer auf die Regierung“).

Draußen ist der Fahrstuhl zu hören. Schluss mit der Beschaulichkeit. Die Postkisten kommen! Für die Europäische Sommerakademie muss eingepackt werden, was mit nach Freiburg soll. Kabel und dicke Filzstifte, Moderationsmaterial und Erste-Hilfe-Equipment. Banner, Farben, Pinsel, Beschilderung, jede Menge Material für den Infotisch. Wer kurz vor oder nach einer Großveranstaltung ins Aktionsbüro kommt, steht einer Wand aus Transportkisten gegenüber, hinter der an vier Schreibtischen eifrig die letzten Ausdrucke vorbereitet werden.