Das Ende unserer Kenia-Zeit naht. Die Heimkehr im Blick – und die lieben Kinderlein, die sich schon auf das ein oder andere Mitbringsel freuen – fahren Alexis und ich am Dienstag über Karen nach Nairobi. Carolin hatte dort die Marula-Studios entdeckt und bereits ein Produkt mitgebracht, was uns doch sehr gut gefiel. Ein echtes Recycling-Schätzchen.
Wir haben in den letzten Wochen etliche Beispiele von Recycling-Projekten gesehen. Das einfachste und bedrückendste war für mich die Plastiktütenwäscherei im Slum Korogocho, wo Männer und Frauen auf dem stinkenden Müllfeld am Rande der Mülldeponie standen und mit giftigem Flusswasser alte Müllsäcke und Supermarkttüten wuschen, trockneten und im Zehnerbündel oder als Rolle im Slum wieder verkauften.


Die Frauen, die aus Abfallmaterialien des Slums Huruma Schmuck herstellen, kaufen chinesische Glasperlen dazu und finden nur schwer KäuferInnen für ihre Werke. Sie erreichen die hohen Fair-Trade-Standards nicht und scheuen den Aufwand komplett selbst gemachter Perlen und Anhänger, weil die lokale Bevölkerung kein Geld für kostspieligeren Schmuck hat.

 

Spendenaufruf am Eingang - Gesucht: alte Flip Flops

Ganz anders sieht es in den „Marulastudios“ aus. Schon die Örtlichkeit macht das deutlich: Fabrikation und Verkauf finden in Nairobis Luxusstadtteil Karen statt. Hinweisschilder lotsen die Touristen, die wohl wichtigste KäuferInnen-Gruppe zum Ziel. Breite Straßen ohne Müll mit hohen Hecken, die Gebäude soweit zurückgesetzt, dass man sie von der Straße meist gar nicht sieht. Es sind aber definitiv keine Hütten. Schon im Matatu schubst mich Alexis an: „Woran erkennst Du, dass wir unterwegs sind in einen besseren Stadtteil?“ Die Antwort: Außer uns sind vier Brillenträger in dem Fahrzeug. Im Slum waren wir bisher immer die einzigen, unter den Studenten gab es wenige.

Vom Alptraumstoff zum Kreativmaterial: viele alte Schlappen

Die „Marula-Studios“ haben sich auf ein interessantes Abfallprodukt konzentriert: auf Flip-Flops, wie sie zu hunderttausenden die Strände Kenias verunstalten. Initiiert hat das Projekt eine Kenianerin, die Meeresbiologie studierte und dieses Bild ihrer Strände nicht mehr aushalten wollte. FlipFlops sind ein Muss in Kenia. Sie sind billig und schützen die Füße, in der eigenen Wohnung und den niemals sauberen Sanitäranlagen wahrscheinlich die der allermeisten Menschen hier, auf den Straßen eher die der ärmeren Leute. Lange halten die Dinger nicht, obwohl es überall kleine Läden gibt, die die Schuhe für wenige Schillinge flicken, gerissene Plastikbänder austauschen usw.
Die abgelegten Schuhe sehen wirkklich nicht mehr besonders appetitlich aus.
Das lässt sich aber ändern, wie das Projekt beweist: Gründlich gereinigt, werden die Schuhe aufgeschnitten und mit anderen Gummi-Sohlen verleimt. KünstlerInnen schnitzen und drechseln das Material, bis die allerliebsten Tier, Türstopper, Schlüsselanhänger, Mappen, Pinnwände, Stecken-Elefanten usw. entstehen.
Die Marula-Studios verarbeiten inzwischen acht Tonnen Flip Flops pro Jahr und beschäftigen 200 Mitarbeiter.
Die Verkaufsräume entsprechen den Anforderungen europäischer Touris: Hell und freundlich und sooo viel zu gucken. Kein Wunder, dass wir am Ende einige Tiere aus dem bunten Material zur Matatu-Haltestelle tragen 😉

Massives Gummiwunder, das grosse Nashorn in den Marulastudios