Der radikal-demokratische Funke der neuen Bewegungen in Spanien und Griechenland scheint langsam auch zu uns überzuspringen. Im gestrigen Abend-Podium „Welche Bewegung brauchen wir?“ hat das Publikum erfolgreich eine stärkere Beteiligung an der Diskussion eingefordert und damit eine Frage aus dem Nachmittags-Forum beantwortet: „Wie viel lässt sich das Publikum eigentlich gefallen?“

Zuvor hatte Hugo Braun ein Streitgespräch mit Cristina Asensi, Alexandra Strickner, Alessandra Mocozzi und Uli Brand moderiert, bei der sehr interessante Überlegungen zur aktuellen Lage der sozialen Bewegungen ausgetauscht und diskutiert wurden. Eine zentrale Frage war dabei jene nach Horizontalität und Vertikalität von Bewegungen. Die jüngere Vergangenheit bringt da widersprüchliche Erkenntnisse mit sich. Die aktuelle Dynamik in Europa – die Bewegungen auf den Plätzen in Griechenland und Spanien – sprechen indes für einen horizontalen, radikal-demokratischen Ansatz.

Cristina Asensi, die in der spanischen Bewegung aktiv ist, hat den Hintergrund deutlich gemacht. Die Bewegungen kritisieren das Modell der repräsentativen Demokratie sehr grundlegend. Die repräsentative Demokratie wurde systematisch von den Finanzmärkten unterwandert. Die Menschen wollen nicht mehr repräsentiert werden. Dieser Aspekt ist auch bei den Revolten im arabischen Raum zentral. Das ist das neue Element in der aktuellen Widerstandsdynamik.

Passend dazu hat das Publikum nach der ersten Diskussionsrunde dann aktiv mehr Partizipation eingefordert. Auf Initiative aus dem Publikum hin wurde durchgesetzt, dass das Saalmikrofon eingeschaltet wird und im weiteren Verlauf das Plenum das Wort hat. Eine interessante Dynamik, die allerdings auch Schwächen offenbart hat.

Die Plenumsdiskussion war mehr eine lose Aneinanderreihung von Redebeiträgen, ohne dass die RednerInnen sich tatsächlich aufeinander bezogen haben. So war es kaum möglich, der Klärung von Fragen näher zu kommen, die in dieser Veranstaltung eigentlich im Zentrum stehen sollten. Hinzu kam eine punktuelle Respektlosigkeit im Umgang miteinander. Das hat auch Cristina Asensi abschließend kritisiert. Bei den öffentlichen Versammlungen der spanischen Bewegung spielen der gegenseitige Respekt und die Offenheit eine zentrale Rolle. Nur so kann man tatsächlich horizontal und offen miteinander diskutieren.