Vor einem halben Jahr kündigte die Regierung von Quebec an, die Studiengebühren drastisch zu erhöhen. Damals ahnte noch niemand, dass dies zu den bisher größten Protesten in der Geschichte Quebecs und zu massenhaftem zivilem Ungehorsam führen sollte.

Nach mehr als sechs Monaten Protest und drei Monaten Streik, in denen das akademische Leben in den meisten Hochschulen der kanadischen Provinz zum Erliegen kam und mehrmals Hunderttausende an Demonstrationen in Montreal teilnahmen, kündigte die Regierung am 16. Mai ein Notstandsgesetz an, dass sie tagsdarauf durch das Parlament jagte. Durch dieses Gesetz, die Bill 78 wurden alle Proteste in und um Universitäten verboten. Proteste im Rest von Quebec müssen vorher von der Polizei genehmigt werden.

Eine erste Antwort der Studierenden an die Behörden ließ nicht lange auf sich warten, wie sicher schon einige auf Facebook gesehen haben:

Am 22. Mai, dem 100. Tag seit Beginn der Studierendenstreiks, kam es in Montreal zu den größten Protesten, die die Stadt bisher gesehen hat. In einem Akt des zivilen Ungehorsams gingen wieder Hunderttausende auf die Straße. Doch diesmal blieben die Studierenden nicht mehr unter sich. Seit die Regierung mit Bill 78 eine ganze Reihe wichtiger Grundrechte offen in Frage stellt, ist der Protest zu einer Sache geworden, der quer durch alle sozialen Schichten und Altergruppen reicht.

Inspiriert von den Protesten gegen die Militärdiktaturen in Chile und Argentinien in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, macht seit einer Woche ein Facebook-Aufruf und eine Facebook-Gruppe in Quebec die Runde, in denen alle aufgerufen werden, um 20:00 Uhr für eine Viertelstunde mit Töpfen und Pfannen Lärm zu machen.

Die Polizei in Quebec hat seit Inkrafttreten des Gesetzes eine wahre Verhaftungsorgie veranstaltet. Bis Ende der Woche soll es schon mehr als 2500 Verhaftungen gegeben haben, was auch das Jusitzsystem an seine Grenze bringt, wie die Huffingtin Post zu berichten weiß.

Trotzdem schließen sich von Tag zu Tag immer mehr Menschen den Protesten an. Meist bleibt es nicht bei einer Viertel Stunde Topfschlagen und die Menschen ziehen anschließend lärmend durch die Stadt.

Oft kommen zu diesen spontan über Facebook organisierten Events mehreren hundert Menschen zusammen:










In den Außenvierteln oder kleineren Orten ziehen die Menschen auch los, wenn sie nicht ganz so viele sind:







In der Facebook-Gruppe wird dazu aufgerufen, seine Proteste über ein Googleformular zu melden, damit sie dann in einer Karte sichtbar gemacht werden können. An diesen Karten kann man sehr schön sehr sehen, wie sich der Topfschlag-Protest in den letzten Tagen zuerst in Montral und dann immer mehr im Rest von Quebec ausbreitet. Von einigen Protesten sind auch den Karten auch Bilder und Vdeos verlinkt:
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