Am gestrigen 26. April 2012 wurde der Film Catastroika veröffentlicht. Die Macher von Debtocracy, einem Dokumentarfilm, der Millionen von Menschen auf der ganzen Welt erreichte, präsentieren ihre neue Produktion. Der Dokumentarfilm enthüllt die bevorstehenden Ergebnisse des aktuellen Ausverkaufs des griechischen öffentlichen Vermögens, welcher unter Berufung auf die Staatsverschuldung erzwungen wird. Anhand von Beispielen u.a. aus London, Paris, Berlin, Moskau und Rom, prognostiziert Catastroika, was passieren wird, wenn dieser Privatisierungskurs fortgesetzt wird.

Unter anderem Slavoj Zizek, Naomi Klein, Luis Sepulveda, Ken Loach und Greg Palast kommen in dem Film zu Wort, beurteilen die Kürzungs- und Veräußerungsmaßnahmen der unter Druck stehenden griechischen Regierung und erklären die Zusammenhänge zwischen entfesselten Finanzmärkten und der zunehmenden Entdemokratisierung in Europa. Akademiker und Spezialisten wie Dani Rodrik, Alex Callinicos, Ben Fine, Costas Douzinas, Dean Baker und Aditya Chakrabortty präsentieren bisher unbekannte Aspekte der Privatisierung in Griechenland und anderen Ländern.

Genau wie Debtocracy wird Catastroika von der Öffentlichkeit, die sowohl finanziell als auch mit Ideen zu seiner Entstehung beigetragen haben, co-produziert. Der Dokumentarfilm steht unter der Creative Commons Lizens kostenfrei zur Verfügung.

Neben der griechischen Originalfassung ist der Film bisher nur mit englischem Untertitel im Netz. Eine Version mit deutschen Untertiteln wird sicherlich innerhalb der nächsten Tage und Wochen im Netz zu finden sein. Weitere Informationen auf der Seite von Catastroika:  www.catastroika.com

 

Es war am Anfang des Jahres 1989 als der Franzose Akademiker Jacques Rupnik sich in seinem Büro befand, um einen Bericht über den Stand der letzten Wirtschaftsreformen in der Sowjetischen Union von Michail Gorbatschow vorzubereiten. Der Ausdruck, der von ihm für das Röcheln des sterbenden Imperiums benutzt wurde, war „Catastroika“. Während der Zeit des Präsidenten Jelzin, als Russland wahrscheinlich das größte und erfolgloseste Privatisierungsexperiment in der Geschichte der Menschheit einführte, gab eine Gruppe von Reportern der Guardian dem Ausdruck von Rupnik eine andere Bedeutung. „Catastroika“ wurde das Synonym der kompletten Zerstörung des Landes von Markkräften; des Verkaufs des Staatseigentums und der dramatischen Verschlechterung des Lebensstandards der Bürger. Maßeinheiten der Catastroika wurden die Arbeitslosigkeit, die soziale Verarmung, die Verringerung der Lebenserwartung, als auch die Bildung einer neuen Liga von Oligarchen, die die Macht über das Land übernahmen. Nach einigen Jahren, führte ein ähnlicher Versuch massiver Privatisierung des Staatseigentums im Vereinigten Deutschland (welches als Model für Griechenland präsentiert wird) zu Millionen von Arbeitslosen und manchen der größten Skandale in der Geschichte Europas.

Es handelt sich um diese „Catastroika”, die auf dem Weg nach Griechenland ist; die „letzte sowjetische Republik Europas“ laut den Parlamentsmitgliedern und Ministern unserer „sozialistischen“ Regierung. Catastroika ist die logische Folge und Fortsetzung der Schuldenkratie, also eine logische Fortsetzung vom „Debtocracy“, unserem ersten Dokumentarfilm, welcher die Ursachen der Schuldenkrise in Griechenland und in der ganzen europäischen Periphere sucht.

Dennoch, ist Catastroika nicht ein Virus, der nur die Länder infiziert, die ihr Wirtschaftssystem radikal ändern (siehe Russland) oder Länder, deren Wirtschaft unter Okkupation leidet. Die erfolglosesten Privatisierungsbeispiele wurden wahrscheinlich in finanziellen Supermächten eingeleitet, die theoretisch die finanzielle Macht hatten um die negativen Folgen zu kontrollieren.

Catastroika-Beispiele findet man in Großbritannien nach der Ära Thatcher, wo Menschen ums Leben gekommen sind, in Unfällen des privatisierten Bahnnetzes. Solche Beispiele kann man auch in der privatisierten und liberalisierten holländischen Post finden, wo tausende von Arbeitsstellen gestrichen wurden und wo der Postbote zwei oder drei Mal pro Tag kommt. Man kann sie sogar in Kalifornien finden, wo die Bewohner ohne Elektrizität belassen wurden nach der Deregulierung des Energiemarkts.

Aber die Konsequenzen waren härter und sogar furchterregender in Ländern, die in die Falle der ausländischen Kreditgeber gingen und gezwungen wurden dem Weg der massiven Privatisierung zu folgen. Der Verkauf des Staatseigentums, der in Griechenland folgen wird, hat mehrmals unter ähnlichen Verhältnissen stattgefunden. Dieselben Leute, die den Verkauf des Staatseigentums in lateinamerikanischen Ländern unternommen haben, haben jetzt Ihre Büros in europäischen Ländern und die meisten befinden sich seit Monaten in Athen.

Die Vorgehensweise ist immer die gleiche: Am Anfang, greift die Regierung, in Zusammenarbeit mit den Maßmedien, die Staatsbeamte an, die als Verantwortliche für die finanzielle Schwierigkeiten des Landes präsentiert werden. Der Mythos eines öffentlichen Sektors mit zu vielen Beamten basiert sich sehr oft auf manipulierte Daten von Organisationen, die von der aktuellen Regierung unterstützt werden und die Regierung unterstützen. Gleichzeitig werden bestimmte öffentliche Organisationen absichtlich nicht unterstützt, um die Bürger mit ihrer Inkompetenz zur Verzweiflung zu bringen. Der Prozess wird mit dem Verkauf sogar der profitabelsten öffentlichen Organisationen für einen Bruchteil des eigentlichen Wertes vervollständigt.

Die Gruppe von Catastroika unternimmt schon Reisen in viele Ländern um Bilder, Informationen und Material über die Deregulierungs- und Privatisierungsprogramme, die schon in den sogenannten „Industrieländern“ stattgefunden haben, zu sammeln. Das Endergebnis der Forschung ist nie schwarz oder weiß. Das alte Schema des „soziallen Charakters” des öffentlichen Sektors gegenüber dem unmenschlichen Gesicht des freien Marktes ist so vereinfacht wie Milton Freedmans Theorien über die Notwendigkeit der Privatisierung der Luft, die wir atmen. Trotzdem,  ersetzt der Fall Griechenland die vereinfachte theoretische Besprechung über die Rolle des Landes in der Wirtschaft.

Wie es auch der Fall mit dem vorigen Dokumentarfilm war, wird auch Catastroika online verteilt, unter einer Creative Commons-Lizenz. Bei der freien Zirkulation von Catastroika handelt es sich nicht nur um eine „Verpflichtung“ gegenüber unserer Koproduzenten. Es ist ein tieferer ideologischer, oder sogar philosophischer Glauben, daß jedes Produkt intellektueller Schaffung frei zugänglich für alle sein sollte. Während das aktuelle Finanzsystem immer mehr an der Produktion und dem Management von Informationen basiert, ist es unfähig, von Natur aus, einen Weg zu finden um die Vergütung der Schöpfer der Informationen zu gewährleisten. Das ist wahrscheinlich eine der vielen Sackgassen in der Entwicklung der Produktionskräfte der Wirtschaft, die vielleicht eine Bedrohung für die Basis des aktuellen Finanzsystems sein wird. Und es ist bekannt, daß die Systeme, die die Entwicklung der Produktionskräfte unterbrochen haben, auseinandergefallen sind. Fragen Sie die Feudalherrschaft darüber…

 

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Ergänzung vom 21.05.2012: Hier kann man den deutschen Untertitel herunterladen.

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