Wissbegierig sind sie, die 1300 TeilnehmerInnen der ENA. Kein Wunder, dass die Workshops und Forumsveranstaltungen voll konzentrierter Leute sind. Je mehr kluge Referate, desto besser. In den Pausen wird ausgetauscht: Was gab es neues in welcher Veranstaltung?

Ein wenig kleiner fallen die Strategie- und Projektplanungsworkshops aus, aus denen gemeinsame Aktionen erwachsen sollen. Das tut aber deren Qualität keinen Abbruch. Auf der grünen Wiese des „Mensa-Gartens“ sitzen Interessierte am europäischen Attac-Jugendnetzwerk im Kreis und lassen sich auch von denen nicht stören, die schon dem Mittagessen entgegen eilen.

Die Wasseraktiven von Aquattac haben eine Biertischgarnitur erobert und besprechen die kommende heiße Vorbereitungsphase für das Weltwasserforum in Marseille.

Beim Bankenworkshop am Freitag sprudelten die Ideen: Wer könnte alles für einen Bankwechsel gewonnen werden? Wie steht es um die Gründung der Demokratischen Bank in Österreich? Wie wäre es, die Idee aus Spanien zu übernehmen, wie Bankfilialen zum Ort kreativen Protestes werden können? Über Wochen tauchten dort immer wieder Menschen auf, um die Fenster von außen zu reinigen. „Wegen der schmutzigen Geschäfte…“ Während die BankkundInnen an der Aktion nichts Schlimmes finden konnten, riefen die Hausherren die Polizei, es kam sogar zu Anzeigen wegen der ungefragten Reinigung. Doch Szenenapplaus für einen Vorschlag reicht nicht aus. Damit eine solche Aktion gut rüberkommt, müssen die Argumente gut vorbereitet und vermittelt werden. Da die Workshopzeit nicht ausreicht, wird für den Abend spontan ein weiteres Treffen verabredet. Gut möglich, dass bald vielerorts Banken besonders saubere Fenster aufweisen…

 

Klein, aber fein - und perfekt gedolmetscht: europäisch gegen Atomkraft

 

Gefallen hat mir auch die samstägliche europäische Vernetzung von Aktionen gegen Atomkraft. In keinem europäischen Land ist die Anti-Atom-Bewegung so stark wie sie in den letzten Monaten in Deutschland war. Aber die Katastrophe von Fukushima hat überall aufgerüttelt. Berlusconis AKW-Neubaupläne scheiterten beim Referendum in Italien, in Frankreich ist die neue Mehrheit für einen baldigen Atomausstieg beeindruckend. Schon nach wenigen Minuten im Workshop wird deutlich: Hier sitzt viel Bewegungs-Erfahrung, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Die Motivation zusammen zu arbeiten ist groß. Bei der ersten Europäischen Sommerakademie 2008 in Freiburg war der Beschluss von Attac-Frankreich, für den Ausstieg aktiv zu werden, noch Zukunftsmusik. Die Rahmenbedingungen in Deutschland und Frankreich unterscheiden sich deutlicher, als mancher erwartete. Stadtwerke kennen die FranzösInnen in dieser Form gar nicht. Während wir hier die Verflechtung der Atomkonzerne mit den Regierungen beklagen, ist sie Einbindung des Staatskonzerns EdF noch viel tiefgreifender. Im Land des Atom-Riesen EdF (Electricité de France) glauben immer weniger Menschen an die sichere Atomkraft. Die bundesweite AG Energie-Klima-Umwelt und das französische Pendant wollen künftig zusammen arbeiten.