Ob beim Bau von Sojaplantagen, Staudämmen oder Zuckerrohrfeldern: gewaltsame Vertreibungen sind an der Tagesordnung. Betroffen sind meist ländliche Bevölkerungsgruppen, die nicht nur ihr Land, sondern auch ihre Existenzgrundlage verlieren.

Seit rund zehn Jahren investieren verstärkt Banken, Fonds und Agrarfirmen – in erster Linie aus Industriestaaten – in Ackerflächen: Nummer eins sind die USA mit rund zehn Millionen Hektar, es folgen Malaysia mit seinen Palmölkonzernen und das Finanzparadies Singapur. Die EU-Länder kommen auf rund zehn Millionen Hektar – dies entspricht knapp der Ackerfläche Deutschlands.

Viele Fälle lassen sich nicht einem einzelnen Land zuordnen. Oft kaufen Joint Ventures aus Banken, Fonds und staatlicher Entwicklungshilfe große Flächen. An der belgischen Palmölfirma Feronia, die im Kongo über 100.000 Hektar erworben hat, halten Anleger aus zehn Ländern Anteile. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS besaß 2010 Anteile an Firmen, die über drei Millionen Hektar Land in Südamerika, Afrika und Südostasien hielten.

Protestaktion gegen Landgrabbing in den Philippinen, Foto: FIAN Deutschland

Das heimliche Schwergewicht der Finanzwelt sind Pensionskassen mit geschätzten 32 Billionen US-Dollar. Sie haben Land ebenfalls als Renditeobjekt für sich entdeckt. So kaufte allein der Investmentfonds TIAA-Cref Global Agriculture in Brasilien knapp 300.000 Hektar. Gerechtfertigt werden solche Investitionen ausgerechnet mit „steigendem Nahrungsmittelbedarf“. Investoren versuchen so, ihre Gier nach Land als Lösung für den Hunger in der Welt umzuetikettieren. Dabei ist Hunger vor allem eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit und weniger eine von Produktionsmengen. Was verschleiert wird: Die Expansion der industriellen Landwirtschaft führt oft zur Entwaldung und Verdrängung von Kleinbäuer*innen und Kleinbauern sowie Indigenen, so z.B. in Brasilien.

Investoren werden für problematische Finanzierungen nicht zur Rechenschaft gezogen. Im schlimmsten Fall ziehen sie sich aus den Investments einfach zurück. Aufgabe eines UN-Treatys wäre es, für eine Regulierung und Transparenz der Finanzwelt zu sorgen. Zudem müssten die Opfer von Vertreibungen Klagemöglichkeiten erhalten – auch wenn die Verantwortlichen in ganz anderen Teilen der Welt sitzen.

 

Roman Herre, FIAN Deutschland

Artikel aus der taz-Beilage „UN-Treaty – Menschenrechte vor Profit“ der Treaty-Allianz Deutschland, erschienen am 12. Oktober 2017