Ein Bericht aus dem Klimacamp Manheim bei Köln vom  26.08. – 04.09.


Das Klimacamp in Manheim war stärker als das Camp in Jänischenwalde bei Cottbus ein Bildungscamp. Das heißt die BUND-Jugend hatte großen Einfluss und ihre Leute da, weswegen das Ganze teilweise Jugendlager-Charakter hatte. Weiterhin waren Leute aus dem Eine-Welt-Netz NRW und aus der Ecke der Grünen Jugend vertreten. Es gab auch unorganisierte Menschen und einige Ökoanarchisten – von Attac war aber niemand groß vertreten.

Letzteres ist etwas schade, denn das Klimathema wird in Zukunft hoffentlich größere Relevanz gewinnen. Zumindest sollte es dies, denn das rheinische Braunkohlerevier ist das größte Braunkohleabbaugebiet Europas. Dementsprechend sind die Kraftwerke dort auch die größten europäischen CO2-Emittenten mit knapp 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Braunkohle hat einen niedrigen Brennungswert und ist die schädlichste Art, Energie zu produzieren.

System cange - not climate change

für Klimagerechtigkeit

Darum hieß es für das Klimacamp ein Zeichen des Widerstandes zu setzen und den Anstoß dafür zu geben, den Fokus künftiger Energiekämpfe auf Braunkohle zu setzen. RWE als Energiemono-polist, der sich in grüner Unschuld wäscht und im Reich der vermeintlichen Notwendigkeit verweilt, muss daher wie auch den anderen Energiekonzernen der Kampf angesagt werden. Dieser wird auf verschiedenen Ebenen geführt. Der kommunale Widerstand war relativ erfolgreich und auf diese Art konnte der Neubau einiger Kohlekraftwerke verhindert werden. Um eine wirkliche Energiewende herbei zu führen, Energieversorgung zu demokratisieren und zu dezentralisieren, braucht es aber künftig einen Widerstand in Form einer wirklichen Anti-Kohle-Bewegung.

Die Aktion Zivilen Ungehorsams letzten Dienstag war dabei schon sehr erfolgreich. Mit einer gewaltfreien Sitzblockade gingen 50 bis 60 Menschen auf die Schienen der Hambachbahn. Dadurch blockierten sie den Kohletransport vom Hambacher Tagebau zu den Kraftwerken Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem. Die Blockade war von der Kampagne „Wer andern eine Grube gräbt“ vorbereitet und angekündigt worden. Aus diesem Grund hatte RWE die Kohlebunker der Kraftwerke auffüllen lassen, sodass sie keine Ausfälle zu befürchten hatten. Schon eine zweitägige Blockade hätte die Stilllegung der Kraftwerke erzwungen und einen Millionenschaden verursacht.

auf den Gleisen der Hambachbahn

auf den Gleisen der Hambachbahn

Nach 10 Stunden Blockade beschlossen die Leute auf Grund juristischer Drohungen von den Gleisen zu gehen. RWE hatte nach unseren Informationen aber dennoch einen wirtschaft-lichen Schaden. Wesentlich wichtiger war aber im Zuge des Erfolges der Aktion, dass gezeigt wurde, wie leicht die Infrastruktur der Kohleverstromung angegriffen werden kann.

 

Die bei der Aktion gesammelten Erfahrungen werden sicherlich in die künftigen Energiekämpfe einfließen.

Trotzdem der Energiekonzern mit seinen akribischen Vorbereitungen auf die Blockade die mediale Aufmerksamkeit drosseln wollte, berichteten mehrere lokale Zeitungen, wie der Kölner Stadtanzeiger sowie WDR2 und alle großen Radiosender der Region. Dies kann als Erfolg der Aktion verbucht werden und wird zur künftigen Mobilisierung beitragen.

Die Hoffnung der Klimabewegung ist es, das rheinische Braunkohlerevier mittelfristig zu einem neuen Wendland zu machen. Denn der Kampf gegen Kohleverstromung ist die logische Weiterführung der Anti-Atom-Bewegung, wenn es darum geht eine ganz andere Energieversorgung zu ermöglichen. Es wäre wünschenswert, wenn sich auch bei Attac Menschen fänden, die diesen Prozess von seinem Beginn an, also jetzt, im Blick haben, da das Energiethema zentral für jegliche Arbeit am sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft ist.

bis zum Einbruch der Nacht
Blockade bis zum Einbruch der Nacht