Internationale Delegation mit Attac Beteiligung nächste Woche in Athen

Morgen nach Abschluss der Aktionskonferenz in Frankfurt werden Steffen Stierle und ich im Rahmen einer internationalen Delegation für drei Tage nach Athen reisen. Außer uns beiden vom bundeweiten Attac Koordinierungskreis werden auch Peter Herrmann aus dem wissenschaftlichen Beirat von Attac, Jerom, aktiv in der International Group von Occupy Berlin und Judith Dellheim von der Rosa Luxemburg Stiftung an der Reise teilnehmen. Die Fahrt kommt auf Initiative von Attac Frankreich zu Stande. Neben Menschen aus Frankreich und Deutschland wird es wahrscheinlich auch TeilnehmerInnen aus Italien, Spanien, Belgien und Österreich geben.

Ziel der Reise ist, vor Ort zu zeigen, dass es auch in unseren Ländern viele Menschen gibt, die mit dem Kurs ihrer Regierungen nicht einverstanden sind, Gespräche mit AktivstInnen vor Ort zu führen, was jetzt zu tun ist und wie die Zusammenarbeit verbessert und intensiviert werden kann sowie Material zu sammeln, das für die politische Arbeit gegen die Austeritätspolitik in unseren eigenen Ländern hilfreich ist.

In den drei Tagen, in denen wir in Athen sein werden, werden wir ein umfangreiches Besuchsprogramm absolvieren. Für Montag sind Gespräche mit Mitgliedern des griechischen Komitees gegen die Schulden geplant und ein gemeinsames Abendessen mit Mitgliedern von Attac Hellas. Am Dienstag Vormittag steht wahrscheinlich ein Besuch bei den streikenden Arbeitern von Helenic Steel Industry auf dem Programm. Mittags sollen wir eine große Pressekonferenz geben und am Nachmittag wollen wir mit einer Reihe von GewerkschaftsvertreterInnen Gespräche führen (ADEDY (öffentliche Sektor), General Confederation of Greek Workers, und verschiedenen Gewerkschaften aus dem Bildungsbereich: OLME, DOE, OILE) sowie uns mit AktivistInnen vom Syntagma Platz treffen. Am Mittwoch soll es ein Treffen mit Beschäftigten von Public Housing geben, deren Organisation vor der Schließung steht, weil auf Druck der Troika alle Programme für öffentlichen Wohnungsbau gestrichen wurden. Außerdem stehen Besuche bei den streikenden Beschäftigten der Zeitschrift Eleftherotypia auf dem Programm, die mittlerweile begonnen haben, trotz widrigster Umstände ihre eigene Zeitschrift herauszugeben und bei der Parlamentsfraktion von SYRIZA. Für den Nachmittag sind in Athen wieder große Gewerkschaftsdemos angekündigt und am Abend müssen Steffen Stierle und ich dann leider schon wieder zurück nach Berlin. Judith Dellheim und Jerom planen, noch bis Donnerstag in Athen zu bleiben.

Wenn Ihr noch ein Anliegen oder eine Botschaft habt, die wir für Euch mit nach Athen nehmen sollen, dann schreibt das doch einfach in die Kommentare dieses Blog-Posts. Auf Grund des umfangreichen Programms kann ich noch nicht mit Sicherheit versprechen, schon Berichte während unseres Besuchs schicken zu können. Wir werden aber spätestens nach unserer Rückkehr ausführlich berichten. Wir möchten Euch schon jetzt bitten, uns dabei mit zu helfen, dass die Reise ein politischer Erfolg wird, in dem Ihr uns nach unserer Rückkehr helft, unsere Berichte von dort möglichst weit zu verbreiten.

10 Kommentare

  1. Griechisches Volk wehrt euch gegen die Bevormundung durch Brüssel und Deutschland, verweigert die Bankenrettung, rettet euer Leben !!!! rettet Griechenland !!!!

  2. Ich möchte mich ausdrücklich von den aus Österreich kommenden entwürdigenden Aussagen über Griechenland und die Art und Weise, wie hierzulande über das Thema berichtet wird distanzieren. Auch sehr viele meiner FreundInnen sind empört darüber, wie das griechische Volk ausgepresst wird zur Bedienung von Schulden, die es selbst nie gemacht hat. Ganz Europa muss sich ändern und weg kommen von einem System, das nur mehr dem Geld dient und nicht mehr den Menschen. Danke für Euren Mut und lasst Euch nicht auseinander dividieren! Viel Kraft und Frohsinn!

  3. Hallo Stephan,
    Deine Anregung, Kommentare zum mitnehmen hier hineinzuschreiben, ist eine gute Idee!

    Zum Mitnehmen nach Athen:
    (1) Meine Anteilnahme, Solidarität und die Zusage hier in Deutschland für die Griechen und uns alle zu kämpfen.

    (2) Seit den Solidemos am 18. Februar entwickelt sich eine europäische Solidarität, die es so bisher nicht gegeben hat.
    Bei Twitter (als schnellstem Medium) sieht man das besonders gut. Nimm bitte den Hinweis mit, daß man unter dem Hashtag #WeAreAllGreeks Menschen aus ganz Europa antrifft.

    (3) Es wäre toll, wenn man von euch bei Twitter aus Athen etwas hört bzw. liest. Wenn das möglich ist, bitte #WeAreAllGreeks als HT benutzen, danke.

    Gruß
    Attaci aus Norddeutschland
    … twittert via @Attac_de, @Attac_Netzwerk

  4. Leider gibt es auch in Österreich Personen die in der Öffentlichkeit stehen und gegen Griechenland Stimmung machen, Wir distanzieren uns davon – im Gegenteil:
    Wir fordern Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl auf zurückzutreten und sich für seine höchst unangebrachte Äußerung, die Griechen sollen ein paar ihrer unbewohnten Inseln an die Türkei verkaufen, zu entschuldigen.

    Wir sind der Meinung, daß das griechische Volk im allgemeinen fleißig, hilfsbereit und freundlich ist und daß gegenteilige Behauptungen vermutlich nur aus Unwissenheit oder eigennützigen Gründen von österreichischen VolksvertreterInnen getätigt wurden. Wir möchten uns für die unpassenden Bemerkungen unserer Landsleute nicht entschuldigen, sondern wir distanzieren uns entschieden von solchen Politikern, Wirtschaftsleuten etc. …
    Für uns gilt:
    Solidarität mit dem griechischen Volk!

  5. Als erstes würde ich den griechischen Aktivisten ein Schulden-Audit empfehlen. Der Außenminister von Equador hat angeboten, andere Länder dabei zu beraten. Als zweites sollen griechische Belegschaften ihre Betriebe übernehmen und selbstverwaltet weiterführen – wie punktuell schon geschieht. Das bedeutet, dass die Menschen das Wirtschaften in die eigene Hände nehmen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Die Menschen haben das Know-How (sie schmeißen den Laden jetzt schon) und die Produktionsmittel müssen sie zur Not besetzen, um zu verhindern, dass die Maschinen weggeschafft und die Anlagen abgerissen werden.. Die EU kann nicht einmal was dagegen haben, denn die Betriebe werden ja… privatisiert. Die Belegschaften können sich in Genossenschaften zusammenschließen, die auch von den Kunden auch unterstützt werden können. Möglich sind auch Multistakeholder-Genossenschaften von allen Beteiligten: Beschäftigten, Kunden, Einwohner des Bezirks, usw., wie die „Comunas“, die jetzt in Venezuela entstehen. Dafür müssten Genossenschaftsverbände und Gewerkschaften zusammen arbeiten und von der Regierung günstige Rahmenbedingungen fordern. Sie sollen dafür kämpfen, dass die Genossenschaften von Mitarbeitern, die ihren Betrieb übernehmen, keine alten Schulden übernehmen müssen. Sie können fordern, dass die Mitarbeiter ihre Sozialversicherungsleistungen (Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld, Sozialplan und Abfindung) auf einmal bekommen dürfen, um damit in ihren Betrieb zu investieren, z.B. um Anlagen und Maschinen ersteigern zu können, ohne von der Gunst der Banken abhängig sein zu müssen. Im Idealfall sollen Genossenschaftsverbände eine Risikokapital-Beteiligungs-Zentralgenossenschaft gründen, die Belegschaftsinitiativen berät, den Geschäftsplan prüft und ggf. in die Mitarbeitergesellschaft (Genossenschaft oder andere Rechtsform) in Höhe der Sozialversicherungsleistungen investieren kann. Das Geld würde als Startkapital für Belegschaftsinitiativen dienen und ein Rotationsfonds bilden, der nach und nach von den Betrieben-in-Belegschaftshand zurückbezahlt und an andere Belegschaftsinitiativen ausgeliehen werden könnte. Modell wäre die CFI in Italien. Siehe o.g. Website unter „International“ und „Italien“. Die CFI-Leute haben auch „emprepsas recuperadas“ in Argentinien beraten. Vielleicht könnten sie auch griechische Initiativen beraten. Es geht darum, die Kompetenz von Arbeitnehmer und ihre Kreativität, ihren Unternehmensgeist und ihre Lust, die Wirtschaft, die sie brauchen, um ihre Bedürfnisse nach Lebensmitteln, Wohnungen, Gesundheitsversorgung, Bildung, usw. zu befriedigen, in die eigene Hände zu nehmen, nachdem der Staat so offensichtlich versagt hat und ihnen nichts anderes als Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Elend zu bieten hat.

  6. ich denke, dass die vielfach bereits entstandenen tauschkreise eine möglichkeit sind, die bedürfnisbefriedigung ohne geld zu unterstützen und die vielfalt der fähigkeiten der einzelnen zu nutzen. gut sind auch tauschkreise-verbünde, die auch überregionales tauschen ermöglichen.

  7. Wir hoffen auf Solidarität und anhaltenden Widerstand gegen diesen Klassenkampf von oben! Insbesondere hoffen wir, dass die Griechen die Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge verhindern können!
    Griechenland braucht Entwicklung seiner Stärken: angesichts der öklogischen Katastrohpen und des Klimawandels kann Griechenland zu einem Musterland für solare Energiegewinnung und regenerative Energien werden! Beim Aufbau der Wirtschaft mit dem Ziel, mehr „Wachstum“ zu erreichen, kann es nur um ein qualitativ bestimmtes und naturverträgliches Wachstum sein, das mit Regionalisierung und Demokratisierung verbunden ist! – Siehe das Anliegen der „Atomianer“, die vor gefährlichen Auswirkungen der atomaren Kreisläufe warnen. Gleiches gilt für die chemische Verseuchung und Vermüllung des Planeten. In der Landwirtschaft wäre Griechenland eine Agrarwende hin zu ökologischer Landwirtschaft zu wünschen usw……

  8. Nach meiner eigenen Erfahrung gibt es für die Gründung von Regionalgeld-Initiativen inzwischen ausreichend in der Praxis getestetes Know How inkl. Handbücher und weiterführende Literatur. Regiogeld ist einfach zu organisieren und eine wirkungsvolle Alternative zur Aufrechterhaltung des Austauschs von Waren und Dienstleistungen unabhängig von Banken. Kompetente personelle Unterstützung für die Gründung solcher Initiativen ist sicher möglich und ein Farb-Laserdrucker lässt sich auch organisieren.

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