Im Vorfeld der ENA begann gestern ein zweitägiges globales Attac-Treffen in Freiburg. Delegierte mehrere Kontinente diskutierten die globale Krise und wie sie in diesen Zeiten besser zusammenarbeiten können. Neben VertreterInnen zahlreicher europäischer Länder waren mit Attac Elfenbeinküste, Attac Gabun, Attac Marokko und Attac Togo vor allem viele afrikanische Attacs dabei. Aus Nordamerika war Attac Quebec vertreten, aus Asien Attac Japan mit einer relativ großen Delegation angereist.
Der erste Tag stand vor allem im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens. Am Vormittag gab es einen offenen Austausch zur globalen Krise, am Nachmittag standen Berichte aus den einzelnen Ländern auf dem Programm. Am Abend fand eine öffentliche Veranstaltung statt, auf dem Mitglieder von Attac Japan, Attac Togo, Attac Marokko, Attac Frankreich und Attac Quebec über die Attac Arbeit in ihren Ländern informierten.

Yoko Akimoto von Attac Japan

Von Attac Japan war zu hören, dass ihre Organisation 2001 gegründet wurde. Ihre Schwerpunkte sind der Kampf gegen Neoliberalismus und Freihandelsabkommen. Außerdem beschäftigen sie sich mit Themen wie Klimawandel und Militarisierung. Der Bericht der Präsidentin von Attac Japan, Yoko Akimoto, stand ganz im Zeichen der verheerenden Reaktorkatastrophe von Fukushima und dem vorangegangenen Erdbeben und Tsunami. Direkt nach dem Unglück stand erst einmal die Solidaritätsarbeit mit Mitgliedern, die bei der Naturkatastrophe alles verloren hatten, im Mittelpunkt. Mittlerweile gibt es in Japan eine wachsende Anti-Atom-Bewegung, in der auch Attac Japan aktiv mitarbeitet. Im letzten Jahr organisierten sie zwei Sozialforen in Tokio und Osaka mit. In der angereisten Delegation von Attac Japan ist auch ein Mensch aus Fukushima. Am Donnerstag Nachmittag wird Attac Japan auf der ENA den Workshop „Voices of Fukishima“ anbieten, in dem sie über das Leben dort nach der Reaktorkatastrophe und den wachsenden Widerstand gegen Atomkraft in Japan berichten werden.

Oubihi Zaina von Attac Marokko

Attac Marokko wurde im Jahr 2000 gegründet. Ihr Schwerpunkt ist der Kampf gegen alle Formen der Privatisierung und Freihandelsabkommen. Ein weiteres Thema ist die wachsende Verschuldung. Ähnlich wie in Tunesien und Ägypten kämpft in Marokko die Bewegung des 20. Februar für eine Änderung der sozialen und politischen Verhältnisse, in der auch Attac Marokko aktiv mitarbeitet. Diese Bewegung heißt so, weil an diesem Tag das erste Mal Menschen in über 80 Städten gleichzeitig auf die Straße gingen. Die Bewegung hat seitdem weiter an Stärke gewonnen. Leider gelang es aber bisher kaum, die Regierung zu echten Zugeständnissen zu bewegen. Statt dessen antwortete die Staatsmacht mit harter Repression. Viele mussten ins Gefängnis oder verloren ihre Arbeit. In der Stadt Safi gab es sogar einen Toten. Auch Pressefreiheit ist in Marokko nach wie vor ein Fremdwort. Echte Reformen wurden bisher nicht eingeleitet. Vor kurzem fand ein Referendum über eine Änderung der Verfassung statt, bei dem die Zustimmungsrate laut Regierung angeblich bei 98% lag. Die Bewegung beklagt hingegen, dass es zu massiven Fälschungen kam und echte Reformen nach wie vor ausstehen. Der König hält die Macht weiter fest in seiner Hand. Am Mittwoch wird es auf der ENA am Vormittag einen Workshop zu den Aufständen in Nordafrika und von Attac Marokko eine Filmvorführung zu den aktuellen Kämpfen in ihrem Land geben.

Samir Abi von Attac Togo berichtet über die Attac Arbeit in Togo

Samir Abi von Attac Togo

Attac Togo wurde 2003 gegründet. Zwei Jahre später kam es erst einmal zu einem herben Rückschlag, als der regierende Diktator jegliche Opposition brutal unterdrückte. Es gab über 500 Tote im ganzen Land und zahlreiche Menschen mussten ins Ausland flüchten. Damals kam auch die Arbeit von Attac Togo fast zum erliegen. Attac Togo war ein wichtiger Bündnispartner der Studentenbewegung, die gegen die Diktatur kämpfte. Mittlerweile hat sich diese Bewegung trotz der Repression in vielen Bereichen immer mehr durchgesetzt. 2006 begann auch der Neuaufbau von Attac Togo. Mittlerweile ist man als Organisation sogar offiziell anerkannt und kann öffentlich in Universitäten auftreten. In vielen Unis existieren Attac-Clubs. Großen Wert legt man daher auch auf Bildungsarbeit. In Schulen und Universitäten werden Menschen darüber aufgeklärt, was Neoliberalismus ist und wie Institutionen wie die Weltbank arbeiten. Mittlerweile gibt es u.a. deshalb eine starke Bewegung gegen Privatisierung in Togo. Neidisch kann man auch werden, wenn man hört, wie jung Attac Togo ist. Es gibt kein Mitglied, das älter als 30 Jahre ist.

 

Aurelie Trouve von Attac Frankreich

Aurelie Trouve von Attac Frankreich

Aurelie Trouve von Attac Frankreich betonte, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und Vernetzung in Zeiten der Krise ist. Was seit langem Alltag in den Ländern des Südens sei, geschehe jetzt auch im Norden. Dabei seien nicht nur Länder wie Griechenland und Portugal betroffen, sondern z.B. auch die USA. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werde, werde dies irgendwann auch Frankreich oder Deutschland betreffen. Attac Frankreich wolle seine Zusammenarbeit mit den neuen Bewegungen im Maghreb und Maschrek verstärken. Gute Anlässe dafür seien z.B. das geplante Weltsozialform in Nordafrika. Für Attac Frankreich würde das Thema Ökologie immer mehr an Gewicht gewinnen, wie z.B. das bevorstehende Weltwasserform in Marseille zeige. Außerdem hoffe sie auf viele Besucher und Unterstützung aus der ganzen Welt bei den Protesten gegen den G20-Gipfel im Herbst in Nizza.

 

Claude Paillantcourt von Attac Quebec

Claude Paillantcourt von Attac Quebec

Von Attac Quebeck war zu hören, dass dessen Arbeit gegenwärtig ganz im Zeichen eines geplanten Freihandelsabkommens zwischen Kanada und der EU stehe. Sollte dieses Abkommen so wie bisher geplant in Kraft treten, werde es in Kanada zu einer dramatischen Zunahme von Privatisierungen kommen. Viele Sektoren wie Wasser, Gesundheit und Post, in denen die Dienstleistungen derzeit in Kanada zum Glück noch von öffentlichen Dienstleistern erbracht werden, wären dann für EU-Konzerne geöffnet und von Privatisierungen betroffen. Aber nicht nur für die Menschen in Kanada bringe dieses Abkommen Nachteile, sondern auch für die Menschen der EU. Die kanadische Regierung erhoffe sich im Gegenzug einen leichteren Zugang zum EU-Binnenmarkt für kanadische Produkte, dem gegenwärtig noch strenge Umwelt- und Verbraucherschutzvorschriften entgegen stünden. So hätten kanadische Rohstoffe einen besonders hohen Gehalt an umweltschädlichen Stoffen. Viele Fleischprodukte seien gegenwärtig in der EU nicht zugelassen, weil die Tiere vorher besonders stark mit Hormonen behandelt worden wären. Am Donnerstag wird es auf der ENA einen gemeinsam mit Attac Frankreich organisierten Workshop geben, auf dem gemeinsam diskutiert werden soll, wie das Abkommen noch verhindert werden kann.
Schwerstarbeit war der Tag nicht zu letzt für die Übersetzer, die ihre Aufgabe aber mit Bravour meisterten. Heute wird das globale Attac-Treffen mit der Beratung konkreter gemeinsamer Vorhaben fortgesetzt werden wie der Vorbereitung des nächsten Weltsozialforums in Nordafrika, gemeinsamer Kampagnen zur G20 und dem Rio+20-Prozess. Außerdem soll darüber beraten werden, wie die eigene Zusammenarbeit verbessert werden kann.