Heute fand in London die Konferenz „Europe against Austerity“ statt, zu der das britische Bündnis „Coalition of Resistance“ aufgerufen hat. Der Ansatz der Konferenz war ein interessanter.VertreterInnen von Bewegungen, aber auch von linken Parteien, aus über zwanzig europäischen Ländern sind zusammengekommen, um über gemeinsamen Widerstand gegen die vorherrschende Krisenpolitik aus Sozialkürzungen, Lohnkürzungen und Privatisierungen zu reden. Die Nachfrage war groß und trotz seltsam bis penetranter Eingangskontrollen war die Camden Hall bereits zur Auftakt-Session voll.

Schade war, dass das Programm sehr frontal war. Im Wesentlichen bestand die Konferenz aus einer endlosen Aneinanderreihung von zehnminütigen Redebeiträgen. Um wirklich gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln, hätte es viel mehr Raum zur Diskussion geben müssen. Dabei waren sich alle RednerInnen einig: gemeinsamer Widerstand ist notwendig. Die vorherrschende Krisenpolitik kann nur durch eine breite, europäische Bewegung bekämpft werden, nicht durch lose koordinierten Widerstand, der vor allem auf die nationalen politischen Klassen fokussiert.

Trotzdem waren die Beiträge durchaus interessant. Insbesondere auch, weil sie gut aufeinander bezogen waren und so einige wichtige Diskussionen beinhalteten. Beispielsweise gab es in dem Panel, an dem ich beteiligt war (Ursachen und Lösungen der Krise) eine interessante Debatte über den Euro, die durch einen sehr Euro-kritischen, fundierten Redebeitrag aus dem Publikum ausgelöst wurde. Interessant war dabei, dass die große Mehrheit der DiskutantInnen, einschließlich mir, die Position vertrat, dass ein Ende des Euros rein gar nichts nutzt, wenn man sonst nichts tut, also die aktuelle wirtschaftspolitische Ideologie unverändert lässt. Man hätte vor der Einführung besser überlegen müssen, in welcher europäischen Ländergruppe eine Gemeinschaftswährung sinnvoll ist. Nun ist der Euro aber samt der Schulden, die er in Südeuropa verursacht hat, da. Jetzt ist die Lösung nicht eine Abschaffung, sondern eine Beibehaltung kombiniert mit einer Politik, die zu einer Angleichung sozialer und wirtschaftlicher Standards führt.

Parallel dazu fanden einige kleinere Workshops statt. Soweit ich es ueberblicken kann, ist es da zumindest teilweise gelungen, gemeinsame Aktivitaeten weiterzuentwickeln. Bspw. gibt es gerade eine belgische Initiative fuer eine europaweite Kampagne fuer einen Mindeststeuersatz fuer Unternehmen. Diese hat auf der Konferenz neue MitstreiterInnen gewinnen und international weiterentwickelt werden koennen.

Die Frage, wie es mit der Bewegung insgesamt weitergeht, sollte dann im Abschlussplenum Thema sein. Leider war diese auch sehr frontal organisiert: eine Veranstaltung von 80 Minuten mit einem Podium, auf dem neun (!) RednerInnen sassen, von denen zudem noch recht wenige Implikationen für widerständige Aktivitäten kamen. Erfrischend war hier vor allem der Redebeitrag von Max Bank (Attac Deutschland), der über die besondere Verantwortung
Deutschlands in der Krise und die Konsequenzen für die Bewegung sprach und forderte, dass sich die Abschluss-Session mit Bewegungsstrategien befasst. Leider wurde er von den Folge-RednerInnen kaum erhört.

Hoffnungsvoll liest sich indes die Abschlusserklärung der Konferenz. Neben einer guten, klaren Analyse wird darin dazu aufgerufen, die Aktionen der Indignados am 15. Oktober, den Widerstand gegen den G20-Gipfel und die vielen Aktionen gegen die Schulden und die internationalen Finanzinstitutionen zu unterstützen. Außerdem soll im Folgeprozess der Konferenz ein großer internationaler Aktionstag 2012 organisiert werden, in den auch Gewerkschaften eingebunden werden sollen. Das ist gut.