ENA-Forum Finanzmärkte

ENA-Forum Finanzmärkte

Jeden Nachmittag gibt es auf der ENA ein großes Forum, während dessen keine Parallelveranstaltungen stattfinden und alle TeilnehmerInnen im Audimax zusammenkommen, um gemeinsam zu einem großen Thema zu diskutieren. Gestern Nachmittag fand das erste Forum statt, das sich dem Thema Finanzmärkte widmete.

Von vorne nach hinten: Die Moderation, Dominique Plihon (Attac Frankreich), Marica Frangakis (Attac Griechenland) und Pedro Paez (Bank des Südens, Ecuador)

Wie alle anderen noch geplanten Foren standen auch bei diesem zu Beginn drei Inputs von ca. 15 Minuten. Als erster Referent sprach Dominique Plihon, der Mitglied im wissenschaftlichen Beitrat von Attac Frankreich ist. Er beklagte, dass nach den spektakulären Bankenrettungen trotz großer Ankündigungen die eigentlich notwendigen Reformen im Bankensektor ausgeblieben seien. Seine zentrale These lautete, dass das Banking wieder langweilig werden müsse. Entsprechend forderte er u.a., dass Banken wieder mit mehr Eigenkapital arbeiten müssten und große Banken zerschlagen werden müssten, z.B. in dem man sie wieder in Investmentbanken und normale Geschäftsbanken aufteile, wie dies lange Zeit in den USA der Fall gewesen sei.
Als zweite Rednerin widmete sich Marica Frangakis, die Mitglied von Attac Griechenland ist und auch in der Euromemo-Gruppe mitarbeitet, den bisher stattgefundenen Finanzmarktreformen in der EU. Sie stellte heraus, dass die Lobby der Finanzmarktindustrie bei allen Beratungen in der EU zu diesem Thema einen starken Einfluss hatte und alle bisher umgesetzten Maßnahmen eine entsprechende Handschrift trügen. Auch sie vertrat die Ansicht, dass wirkliche Reformen noch ausständen.
Als letzter Referent ergriff Pedro Paez aus Ekuador das Wort, der u.a. am Aufbau der Banco del Sur (Bank des Südens) beteiligt ist. Er sorgte dafür, dass beim Blick auf die aktuelle Krise auch über den europäischen Tellerrand hinausgeblickt wurde. Außerdem vertrat er die Position, dass die aktuelle Krise tiefere Ursachen hätte, als dass man sie mit etwas Regulation oder Umverteilung lösen könne. Es handle sich vielmehr um eine Krise der gesamten Regulation und des Lebens. Um die Krise zu lösen, müsse über viele Aspekte noch einmal ganz neu nachgedacht werden. Was verstehen wir z.B. genau unter Effizienz? Wie sollen Preise für Nahrungsmittel oder Rohstoffe festgelegt werden oder wie der Wechselkurs zwischen zwei Währungen definiert werden? Als eine konkrete Alternative stellte er das Konzept für die Banco del Sur vor, an dessen Ausarbeitung er selbst beteiligt ist. Hier gehe es darum, wie man die schöpferische Kreativität von Menschen wecken und unterstützen kann, statt eine Finanzpolitik zu betreiben, die nur noch den Interessen einer kleinen, aber mächtigen Oligarchie nütze.
Im Anschluss an die Inputs konnte das Publikum Fragen stellen, die dann von den ReferentInnen beantwortet wurden. Bis einschließlich Samstag soll jeden Nachmittag ein weiteres Forum stattfinden. Das morgige wird sich dem Thema Demokratie widmen.