Den Kröten den Weg bahnen

Aktion vor der Postbank Zentrale in Bonn

 Bonn, Dienstag, 23.08.

Heute bauen wir einen Krötentunnel. Die Postbank gehört mehrheitlich der Deutschen Bank und damit dem schlimmsten der Finanzinstitute. Weil die Naturschützer dort, wo Kröten in großer Zahl und regelmäßig wandern müssen, inzwischen richtige Tunnel unter der Straße anlegen, wollen wir das auch. Wir rufen deshalb mit schwerem Gerät dazu auf, die Bank zu wechseln und Politik zu verändern.

Vor der Zentrale der Deutschen Postbank erwarten die Polizeibeamten der Bundesstadt die Attac-Aktiven ganz entspannt. So viel Gelassenheit steckt an, die Postbank-Security zieht sich zurück. Als ein altgedienter Aktivist der Friendesbewegung aus Bonn auftaucht, begrüßen ihn die Polizisten wie einen alten Freund: „Damals, als hier noch Hauptstadt war, war mehr los. Jetzt ist es ruhig geworden.“

Der Postbank-Pressesprecher kommt raus, wir kennen ihn schon von einigen E-Mailwechseln nach unserer ersten Pressemmitteilung mit Postbankkritik. Er bittet uns, nicht enttäuscht zu sein, wenn er nicht als Ansprechpartner während der Aktion zur Verfügung steht.  Sind wir nicht.

Das Gebäude ist verschlossen bis zum Ende der Aktion – für alle. Unser Bagger ruckelt am Anfang gewaltig, wenige Minuten Einweisung waren nicht viel für den wackeren Attacie am Steuer. „attac-bau gräbt hier einen Krötentunnel“ steht auf dem (eigentlich recht kleinen) Bagger, der das Bild sofort prägt. Im schwarzen Anzug und mit schneeweißem Helm legt Bauleiter Tilman Hartwig los und wirbt für die Krötenwanderung, die Attac erleichtern will.

Wir haben Sprüh-Schablonen mitgebracht, dunkelgrüne Kreidekröten erscheinen auf dem Pflaster. Die „Täter“ sind leicht zu erkennen, weil wir vergessen haben, Handschuhe mit zu bringen und einige Leute den Rest des Vormittags grüne Finger und teilweise auch Nasen haben.

„Würden Sie den Krötentunnel nutzen?“ – jeder Passant, der sich hier blicken lässt, wird informiert, bis er die Flucht ergreift. Der beste Ort für die Tunnel-Grabung ist schnell bestimmt. Trotzdem lassen wir die Gehwegplatten, wo sie sind.

Später versuchen Bauleitung und Begleiter, das Gebäude zu betreten. An der Glastür ist Schluss, aber die Rufe der Aktivisten lassen nochmal etliche Leute stehen bleiben: „Wir würden gerne sehen, wo wir mit dem Tunnel herauskommen!“ und „Lassen Sie uns doch gemeinsam den ersten Spatenstich im Gebäude machen.“

Keiner empfängt uns...

Die Polizei bleibt völlig ruhig. Hinter der Glasfassade stehen auf mehreren Etagen Postbank-Mitarbeiter und schauen auf uns herunter.

Am Ende sind Attacies brav. Mit einem Eimer Wasser wird die Kreidekröte, die auf dem Privatgrund der Postbank landete, sorgfältig weggespült. Die Banner werden eingerollt, die leuchtend-orangen Warnwesten zurück gegeben.

Der Bauleiter in seinem schwarzen Anzug schnappt seinen Rucksack und beginnt, sich auf der Treppe vor der Postbank umzuziehen. Hinter Glas sehen wir einen Mann zum Handy greifen. Kurz darauf geht der Polizist ans Telefon und bedeutet unserem Krötentunnel-Meister, der inzwischen mit nacktem Oberkörper auf dem Platz steht, sich auf dem öffentlichen Fußweg weiter umzuziehen. Kein Problem. Als er in Unterhosen steht, wird einer der Beamten doch noch nervös, kurz danach ist aber alles gut, der Mann trägt wieder Räuberzivil. Alle brechen auf zur U-Bahn.

 

Ein Kommentar

  1. die „ach so guten“ alternativbanken…

    sorry leute, aber ich bin seit Jahren bei der GLS, (wie alle meine freunde und geschäftspartner aus der Alternativbranche vom Ökobrotbäcker bis zum Künstler) , und zum Thema Banken kann ich nur sagen: ich kann nicht finden, daß die GLS sich sehr viel mehr
    etisch verhält als andere Banken, was den Umgang mit Kunden, ihr Profit, die „Rendite“ angeblich, für die Genossenschaftler, die „sie ja machen müssen“ , usw. angeht.
    Allein ein Dispo zins von um die 10% , mittlerweile horrende Kontogebühren, bei minimalst kleinen Anlagezinsen, keine Möglichkeiten für Umschuldungen, günstiger geliehenes Geld, Kleinstkredite, Geschäftsförderungen im ECHTEN ganzheitlichen Gesundheitsbereich (damals wurde mir 2001 gesagt, Kindergärten wären ihm wichtiger als gesundheit, dem berater. aha.) etc. – entschuldigt mal, wollt ihr mich verarschen?
    Ich konnte nach langer Krankheit gerade so, durch ein Gespräch mit einem obersten Chef, abwiegeln, daß die GLS mir durch Dispokündigung, weil ICH (!) nach günstigeren Konditionen fragte, ein Bein stellt und mich in letzter Sekunde in den privatKonkurs jagt– wenn DAS die, wohlmeinenden im guten Glauben was Gutes zu tun, KUNDEN wüssten.. ha! image und wirklichkeit leute. wer sich SO am system beteiligt macht sich nicht weniger schuldig. Ich weiß was man verdient als Bank an den Zinsen die die Kunden zahlen, und was das Geld bei der Zentralbank kostet.
    Hier geht es darum ob Menschen menschenwürdig behandelt oder ausgenommen werden und solang wir nciht das Chinesische system sondern die zinswirtschaft in dieser Art und weise haben, muß ich sagen: verdienen sich auch die GLS und anderen eine goldene Nase an dem elend der anderen..
    also, bitte. : ECHTE Alternativen! Das wär mal an der Zeit. Ich dachte eigentlich Ihr hättet was bessers anzubietn 😉

    ..o.k…die GLS war immer die „nettere Bank“ – ABER : unterm Strich: selbst die Sparkasse bietet einem bessere Konditionen wenns Not am Mann ist… : durchgefallen.

    Fazit: super aktion, scheiß alternativen.. 😉

    Liebe Grüße.

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