„Empört Euch!“, „Echte Demokratie Jetzt!“, „Global Change!“, „Occupy XY!“
Mit verschiedenen Mottos, aber einig in der Sache sind am Samstag Zehntausende durch die Straßen und auf die Plätze deutscher Städte gezogen, um für mehr Demokratie und gegen das Krisensystem des neoliberalen Kapitalismus zu protestieren. In Berlin hat Attac eine Krisenanhörung organisiert und zu den Protesten vor das Bundeskanzleramt mobilisiert.

Die seit einem Monat stattfindenden Proteste in den USA waren für den globalen Aktionstag eine enorme Mobilisierungshilfe. Auch in der Hauptstadt waren deutlich mehr Leute auf der Straße als noch vor vier Wochen zu erwarten gewesen wäre. Schon um 13 Uhr versammelten sich bei der Auftaktkundgebung am Neptunbrunnen (Alexanderplatz) mehrere tausend Menschen. Von dort aus zogen die DemonstrantInnen ´über die Linden´ zum Brandenburger Tor, um bei Sonnenschein getreu den spanischen „Empörten“ eine „Asamblea“ (Vollversammlung) abzuhalten. Früher als angenommen zog die Menge dann weiter Richtung Kanzleramt. Etwas mehr als die Hälfte der ca. 10.000 DemonstrantInnen blieb vor dem Reichstag zurück.

Für uns, die bei der Krisenanhörung zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Diskussion über Ursachen der Krise und Alternativen zur Krisenpolitik waren, musste dann alles ganz schnell gehen: Acampada Berlin teilte uns um 15.45 Uhr ins Grips-Theater mit, dass nicht klar sei, wann sich die Demo-Teilnehmerinnen zum organisierten Fest auf dem Mariannenplatz aufmachen würden. Wir beendeten unsere Anhörung daher eine halbe Stunde vor offiziellem Ende und starteten um 16.15 Uhr in einem Demonstrationszug zu den gut gelaunten DemonstrantInnen vor das Kanzleramt, wo uns eine tanzende Menge empfing.

Ich hatte dort Gelegenheit, eine Rede zu halten, in der ich Verteilungsungleichheiten in Europa, die Mitschuld Deutschlands an der Entstehung der Eurokrise und die unrühmliche Rolle der Bundesregierung bei der EU-Krisenpolitik thematisierte. Meine Worte fanden Anschluss, auch wenn sie von mir als einem Attacie kamen. Mehrfach wurde in diesen Tagen nämlich von der Bewegung kritisiert, dass Attac die Proteste vereinnahme.

Nach der Rede gesellten wir uns zu den FreundInnen auf der Reichstagswiese, wo weiter protestiert und gefeiert wurde und bis heute Leute campieren. Denn ein paar Dutzend der DemonstrantInnen schlugen ihre Zelte auf, um bis nächsten Samstag um 15 Uhr die Stellung zu halten; dann stehen die nächstem großen Aktionen in Berlin an!