Am gestrigen Dienstag hatten wir zu einer Veranstaltung mit Messaoud Romdhani von der Tunesischen Menschenrechtsliga und Ziyad Mohamed Farag von der „Bewegung 25. Januar“ aus Ägypten in die Universität Leipzig eingeladen. Die Veranstaltung von Attac und Rosa-Luxemburg-Stiftung fand in Kooperation mit dem Katholischen Fonds, dem Evangelischen Entwicklungsdienst und der Stiftung Umverteilen statt und war gut besucht.

Im Dezember 2010 probte die tunesische Stadt Sidi Douzid den Aufstand gegen sozialen Ausschluss und politische Unterdrückung. Damals ahnte niemand, was die Proteste auslösen würden. Inspiriert von der Revolte in Tunesien entwickelte sich in Ägypten eine starke Protestbewegung. Sie gipfelte in dem Sturz des seit 30 Jahren herrschenden Machthabers Mubarak. Die Besetzung des Kairoer Tahrir-Platzes war der Auftakt einer Protestwelle, die viele Länder der arabischen Welt erfasst. Ein Jahr nach dem Beginn der «Arabellion» berichten Aktivistinnen und Aktivisten aus Ägypten und Tunesien über die Umwälzungen in ihren Ländern.

Die Referenten zeichneten die aktuelle Situation in Ägypten und Tunesien mit ihren Worten nach und schätzten die Lage gemessen an den Ansprüchen und Forderungen die die Revolution hatte und was heute davon übrig geblieben ist ein. Hat es seither grundlegende Veränderungen gegeben? Wie hat sich seitdem die Verteilung von Macht, Kapital und Eigentum verändert bzw. nicht verändert? Knapp 60 Interessierte diskutierten anschließend angeregt mit den Referenten. Wie gehen die Länder mit den enormen Schuldenbergen um (illegitime Schulden)? Gibt es eine Abkehr vom neoliberalen Dogma nach welchem jahrzehntelang auf Druck von Weltbank und IWF Privatisierung und Liberalisierung umgesetzt wurde? Wie wirkt sich in einem Land wie Ägypten, welches weltweit der größte Weizenimporteur ist, die seit drei Jahren massiv zunehmende Nahrungsmittelspekulation auf den Finanzmärkten aus? Gibt es Ansätze die Dominanz der Finanzmärkte zu brechen? Welche Rolle spielt das Militär? Gibt es erkennbare Fortschritte im Kampf gegen Korruption? Wie lässt sich der Ausgang der letzten Wahlen in Ägypten angesichts der vorangegangenen breiten Demokratieproteste erklären? Wie ist die Rolle der Frauen in den Organisationen, Gewerkschaften und Parteien in Ägypten und Tunesien? Welche Perspektiven gibt es für die Zukunft?

Das nächste Weltsozialforum findet übrigens im Frühjahr/Sommer 2013 in Tunesien statt.

Die „Speakers Tour“ startete bereits am Montag in Berlin und wird nun nach Leipzig in den nächsten Tagen noch in folgenden Städten stattfinden: München, Mannheim, Saarbrücken, Frankfurt am Main, Mainz, Fulda, Paderborn, Hamburg, Jena. Hier mehr Infos zu den Orten.

 

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Außerdem noch ein Hinweis mit der Bitte um Unterstützung von Attac Marokko:

Mehrere Aktivisten der Protestbewegung „20. Februar“ sind in Marokko zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden – unter ihnen auch der Attac-Aktivist Abdeljalil Agadil, der für vier Jahre ins Gefängnis soll. Die 16 verurteilten jungen Männer hatten sich in der Stadt Safi an einer Demonstration für mehr Arbeitsplätze beteiligt und mit einem Sit-in eine Eisenbahnlinie blockiert.

Attac Deutschland protestiert aufs Schärfste gegen die Gerichtsurteile und fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung von Abdeljalil Agadil und seinen Mitstreitern. Gemeinsam mit Attac Marokko ruft Attac Deutschland dazu auf, bei der marokkanischen Regierung gegen die Urteile zu protestieren. Bei allen Veranstaltungen der Speakers Tour werden Unterschriften gegen die Gerichtsurteile gesammelt.

  • Bitte ladet die Unterschriftenliste herunter und schickt ausgefüllte Listen an Attac Deutschland, Münchener Str. 48, 60329 Frankfurt am Main

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